Kantteile von A bis Z: Traufblech, Ortgang, Kehle, First

Das Kantteil ist der günstigste Teil des Dachs und die häufigste Ursache seiner Probleme. Wenn Wasser in die Traufe läuft, wenn der Wind den Rand am Giebel anhebt oder wenn die Kehle bei einem Wolkenbruch überläuft, ist fast nie die Deckung schuld — schuld ist das Blechdetail, das falsch bemessen, zu kurz oder so festgeschraubt ist, dass es sich nicht dehnen kann. Dies ist ein Leitfaden durch Begriffe, Maße und Regeln, nach denen Kantteile gefertigt werden — und durch die Fehler, die man über Jahre bezahlt.
Wer ist wer auf dem Dach
Der Klempnerjargon — in Österreich und der Schweiz der des Spenglers — ist voller Regionalismen, und dasselbe Blechteil hat bei drei Meistern drei Namen; im kroatischen Jargon stecken obendrein viele Germanismen. Damit im Angebot aus Đakovo und auf Ihrer Baustelle vom selben Teil die Rede ist, hier die Zuordnung:
- Traufblech (Einlaufblech, Rinneneinhangblech) — an der Traufe; führt das Wasser von der Deckung in die Rinne und verhindert, dass es sich unter die Deckung zieht oder an der Fassade herunterläuft.
- Ortgangblech (Ortgang, Giebelblech, Windbrett aus Blech) — am Giebel; verhindert, dass der Wind Regen unter die Deckung treibt und der Sog den Dachrand anhebt.
- Kehlblech (Kehle, Kehlrinne) — im einspringenden Stoß zweier Dachflächen; nimmt Wasser von beiden Seiten auf und ist deshalb das am stärksten belastete Blech des Dachs.
- Firstblech (Firstkappe, Firsthaube) — am First; schließt den Stoß der Dachflächen, muss aber Luft durchlassen.
- Wandanschlussblech (Wandanschluss, Kappleiste) — wo das Dach an eine aufgehende Wand, eine Attika oder einen Kamin stößt.
- „Wasserfalz“ (Aufkantung) — kein Bauteil, sondern eine zusätzliche Kantung am Rand, die verhindert, dass Wasser kapillar über die Kante entweicht. Deshalb ist die „Kehle mit Wasserfalz“ kein Schmuck, sondern Funktion.
Zuschnittbreite: das einzige Maß, das den Preis bestimmt
Die Zuschnittbreite (die Abwicklung) ist die Länge des flachen Streifens, bevor er in die Abkantpresse geht — die Summe aller Schenkel des Querschnitts. Nach ihr wird das Kantteil abgerechnet, in Stufen. Und die Stufen sind nicht ganz willkürlich: Ein Teil der Grenzen fällt genau auf die Teilung der Tafel von 1250 mm — 1250 durch zwei ist 625, durch drei 416,7, durch vier 312,5, durch fünf 250 mm. Die übrigen Grenzen folgen runden Zentimeterschritten der Preisliste. Die praktische Folge ist dieselbe: Ein Kantteil mit 313 mm und eines mit 318 mm sind nicht dasselbe Geld, obwohl der Unterschied ein halber Zentimeter ist. Ziehen Sie den Regler:
Zuschnittbreite, Preis und Tafelausnutzung
Preis je laufenden Meter
3,93 €
netto ab Werk · Stufe 31,3–37,5 cm
Streifen aus der Tafel 1250 mm
3
Verschnitt der Tafel
20,8 %
* Preise aus unserer Preisliste für Kantteile nach Stufen der Zuschnittbreite, netto ab Werk Đakovo; die kroatische MwSt. von 25 % kommt hinzu, für Unternehmen mit gültiger USt-IdNr. entfällt sie (innergemeinschaftliche Lieferung). Abgerechnet wird der laufende Meter nach Stufe, nicht der Quadratmeter Tafel. Die Ausnutzung wird aus der Glattblechtafel mit 1250 mm Zuschnittbreite gerechnet (Position „Glattblech Zuschnitt 1250 mm“ der Preisliste) — verzinkte Tafeln im Format 1 × 2 m teilen sich anders. Die Zuschnittbreite ist die Länge des Streifens vor dem Abkanten: Wer aus dem fertigen Querschnitt nach Außenmaßen misst, zieht rund 1 mm je 90°-Kantung ab.
Die Berechnung des Kantteilpreises nach Zuschnittbreite ist eine Orientierung und kein verbindliches Angebot. Der Endpreis wird mit dem schriftlichen Angebot nach Prüfung von Maßen, Mengen, Materialverfügbarkeit sowie Transport- und Montagekosten bestätigt. Konditionen: Lieferung und Zahlung.
Eine Falle beim Messen: Wer die Zuschnittbreite aus den Außenmaßen des fertigen Querschnitts addiert, bekommt rund einen Millimeter zu viel je 90°-Kantung (das Blech „verkürzt“ sich beim Biegen, weil das Material um den Radius läuft). Bei sechs Kantungen sind das sechs Millimeter — unerheblich, außer Sie liegen genau an der Grenze einer Preisstufe. Schicken Sie uns deshalb die Schenkelmaße oder eine Skizze des Querschnitts an die CNC-Blechbearbeitung; die Zuschnittbreite rechnen wir aus den Schenkeln, und das Problem entfällt.
Biegeradius: die Beschichtung entscheidet, nicht das Blech
Das ist das Detail, das ein gutes Kantteil von einem trennt, das nach fünf Jahren an der Kantung rostet. Den kleinsten Biegeradius bestimmt nicht der Stahl, sondern die Beschichtung, gemessen im T-Bend-Test nach EN 13523-7: Die Angabe nT bedeutet, dass die Beschichtung rissfrei bleibt, wenn das Blech um n eigene Dicken gebogen wird. Ein Standard-Polyestersystem hält typisch ≈ 3T, Mattsysteme ≈ 2T — Matt verträgt also die schärfere Kantung. Die Umrechnung in Millimeter überlassen Sie besser dem Datenblatt des konkreten Systems als einer Formel. Eine „scharfe“ Kantung unterhalb dieser Angabe liegt unter der Spezifikation der Beschichtung — Risse in der Farbe an der Außenseite der Kantung sieht man dann nicht sofort, sondern wenn sie zu rosten beginnen. Wie sich die Beschichtungen unterscheiden, steht im Artikel über Deckbeschichtungen.
Dazu zwei Dinge zu Toleranz und Temperatur. Der Winkel lässt sich nicht beliebig genau kanten: Die Allgemeintoleranzen für Kantteile (ISO 2768-1, Toleranzklasse mittel) lassen eine Winkelabweichung zu, die mit kürzerem Schenkel wächst — wer ein Traufblech mit 15-mm-Schenkel zeichnet, bekommt eine größere Abweichung, und das ist kein Fertigungsfehler. Anmerkung wegen eines häufigen Missverständnisses: Unsere deklarierte CNC-Toleranz von ±0,2 mm ist eine Maßtoleranz — sie gilt für die Schenkellängen, nicht für den Kantwinkel. Und: Beschichtetes Blech wird nicht in der Kälte gekantet. In der Praxis wird es oberhalb von etwa +10 °C verarbeitet (ideal in temperierter Halle); Blech aus dem eisigen Lkw muss vor dem Kanten temperieren, weil die Beschichtung bei tiefer Temperatur spröde ist.
Überlappungen, Dehnung und Neigung
Kantteile werden mit mindestens 10 cm Überlappung gestoßen (das gilt für das Kantteil; die Querüberlappung der Deckung selbst verlangt mehr — siehe den Leitfaden zu den Trapezprofilen), immer in Fließrichtung des Wassers — das obere Teil über das untere. Bei geringer Neigung werden die Regeln strenger: Je flacher das Dach, desto langsamer fließt das Wasser ab und desto leichter zieht es sich unter, also größere Überlappung, und unter etwa 15° wechselt man von der einfachen Überlappung zur wasserdichten Verbindung (gelötet, genietet mit Dichtung). Das ist bei Kehlen wichtig, deren Neigung immer geringer ist als die der Dachflächen selbst.
Und die Dehnung. Stahl dehnt sich um rund 0,012 mm je Meter und Kelvin; ein 3-m-Teil bewegt sich bei der Sommer-Winter-Differenz von rund hundert Kelvin über 3,5 mm — beim Sechs-Meter-Teil doppelt so viel. Lange Kantteile werden deshalb nicht starr über die ganze Länge befestigt, sondern über Hafte, die einzelnen Teile bleiben für direkte Befestigung bei etwa 3 m, und der Dehnungsausgleich sitzt etwa alle 15 m — von Ecke oder Ende auf der Hälfte dieses Abstands, von der Innenecke auf einem Viertel, weil dort die Schäden am häufigsten auftreten. Dieselbe Regel gilt für lange Rinnen; ausgeführt im Artikel über die Entwässerung. Ein welliges Kantteil und herausgerissene Schrauben sind kein schlechtes Blech, sondern vergessene Dehnung.
Sechs Fehler, die wir am häufigsten sehen
- Traufblech zu kurz oder die Unterspannbahn endet dahinter — das Wasser läuft hinter die Rinne, in die Traufe.
- Ortgang ohne Überlappung oder mit Überlappung gegen die Windrichtung — der Rand hebt sich in der ersten Sturmnacht.
- Kehle „nach Augenmaß“ bemessen. Die Kehle nimmt Wasser von zwei Flächen auf, und ihre Zuschnittbreite hängt von Einzugsfläche und Neigung ab — bei großen oder flachen Dächern nicht selten 450–500 mm. Im Zweifel die breitere Ausführung wählen oder uns den Grundriss schicken.
- Nagel oder Schraube durch die Kehle. Die Kehle wird mit Haften gehalten; jede Durchdringung ist ein künftiges Leck.
- Firstblech ohne Lüftung — ohne Abstandhalter und Gitter hört das Dach auf zu atmen, und das zahlen Sie mit Kondensat (mehr dazu hier).
- Gemischte Metalle. Kupferrohr oder Kupferblech über verzinktem Blech zerstört das Zink — Regel und Beispiele im Artikel über die Entwässerung.
Kantteile sind der Ort, an dem am meisten gespart und am meisten verloren wird. Ein paar Zentimeter Zuschnittbreite, eine Überlappung mehr und der richtige Biegeradius kosten im Angebot fast nichts — und genau von ihnen hängt ab, ob das Dach zehn Winter lang trocken bleibt.
Was für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt
Die Regeln oben sind Handwerksphysik und gelten überall; für die Ausführung am Bau sind die Fachregeln des Klempner- bzw. Spenglerhandwerks Ihres Landes maßgebend, und den Einbau übernimmt in der Regel Ihr Dachdecker oder Spengler. Modeco fertigt die Kantteile nach Ihrer Skizze — Preis je laufenden Meter nach Stufe der Zuschnittbreite, netto ab Werk Đakovo; für Unternehmen mit gültiger USt-IdNr. ohne kroatische Mehrwertsteuer (innergemeinschaftliche Lieferung), Transport projektbezogen als Bündel per Lkw. Montage in Kroatien mit eigenen Teams, im Ausland nach Absprache.
Die Preise der Kantteile nach Stufen der Zuschnittbreite halten wir öffentlich, was in dieser Branche nicht üblich ist — wie und warum, steht in der Geschichte über Modeco und die öffentliche Preisliste.
Häufige Fragen
Die Zuschnittbreite (Abwicklung) ist die Länge des flachen Blechstreifens vor dem Abkanten, also die Summe aller Schenkel des Querschnitts. Nach ihr wird das Kantteil abgerechnet — je laufenden Meter in Preisstufen von 100 bis 1250 mm. Wer aus dem fertigen Querschnitt nach Außenmaßen misst, zieht rund 1 mm je 90°-Kantung ab.
Deutsche Fassung des kroatischen Originals: Opšivke od A do Ž: okapnica, vjeterlajsna, uvala, sljemenjak.